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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Chinesisch ist eine kleine Sprache

Ca. 1,5 Milliarden Menschen sprechen Chinesisch, viele von ihnen lernen Englisch. Von den in Deutschland studierenden Ausländern kommen 40.000 aus China. In Deutschland hingegen lernen nur 5.000 Schüler Chinesisch, eine Zahl, die seit 2012 stagniert. Chinesisch gilt daher als "kleine" Sprache, im Gegensatz zu den "großen" Sprachen Englisch und Französisch. Diesem Problem nimmt sich Georg Blume bei Spiegel ONLINE an.

Der Fachverband Chinesisch macht die deutsche Bildungspolitik verantwortlich: "Das Problem besteht in erster Linie im föderalen System Deutschlands, wo jedes Bundesland eigene Rahmenpläne und Ausbildungsstrukturen entwickeln muss", sagt Andreas Guder, der Vorsitzende des Vereins. Er selbst treffe in den zuständigen Landesbehörden selten Personen, die bereit seien, sich auf das Schulfach Chinesisch einzulassen, stattdessen gebe es "in vielen Bundesländern große Berührungsängste auf der administrativen Seite", so Guder, der an …

Als Mann in einer Kita arbeiten

In bildungsklick.deschildert der Leiter einer Kita, welchen Vorurteilen er täglich ausgesetzt ist. Da muss mann schon ein dickes Fell haben. Voraussetzungen sind u.a.: eine gute Kommunikation, Absprache und Vertrauensbasis innerhalb der Gruppe und des Kollegiums sowie eine qualitative Elternarbeit.

Am Ende des Beitrags sagt er: "Dem Mann als Erzieher in einer Kita eilt mancherorts noch immer der Ruf voraus, sich Kindern nähern zu wollen, um finstere Wünsche zu befriedigen. Glücklicherweise mehrt sich jedoch die Zahl derer, die im 21. Jahrhundert angekommen sind und die Anwesenheit von Männern in Kitas sehr begrüßen. Ich wünsche mir jedoch, dass Männer in Kitas nicht nur einen notwendigen Akzent setzen, sondern eines Tages Normalität sind."

Bis dorthin aber beschreibt er plastisch alle möglichen Vorurteile. Sehr lesens- und überlegenswert!

Bildung hat im Bundeshaushalt keine Priorität

Unter diesemTitel veröffentlicht das Handelsblatt Daten einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutsche Wirtschaft Köln. "Den immensen Haushaltsspielraum der vergangenen fünf Jahre hat die Politik demnach vor allem dafür genutzt, die Ausgaben für Verteidigung, Verkehr, innere Sicherheit sowie Entwicklungshilfe zu erhöhen. „Für Forschung und Bildung wurden die zusätzlichen Ausgaben dagegen kaum verwendet“, schreibt IW-Forscher Tobias Hentze in der Studie.
Hentzes Analyse zeigt, in welch goldenem finanziellem Zeitalter sich Deutschland befindet. Der Bund allein konnte in den vergangenen fünf Jahren unglaubliche 91 Milliarden Euro mehr ausgeben als ursprünglich geplant."

"Die dadurch vorhandenen Milliarden gab die große Koalition kräftig aus. Gegenüber der ursprünglichen Haushaltsplanung stiegen die Ausgaben für Verteidigung zwischen 2013 und 2018 um 9,1 Milliarden Euro, für Verkehr gab’s 6,1 Milliarden Euro mehr, für innere Sicherheit 5,9 Milliarden, fü…

Weichmacher machen vielleicht auch dumm

In meinem Blog kindergesundheit hatte ich schon im Mai 2017 über potentielle Schäden durch Stoffe berichtet, die Plastik weich machen, z.B. Plastikfolien. Jetzt wurde erstmals eine Studie an Ratten veröffentlicht, die Auswirkungen auf das Gehirn von Rattenbabys und auf die geistige Entwicklung beschreibt. Sie zeigt einen Mangel an Hirnnervenzellen (Neurone) und Synapsen im sog. präfrontalen Kortex. In diesem Teil des Stirnhirns werden wichtige kognitive Funktionen verarbeitet, u.a. Gedächtnis, Entscheidungsfindung, Irrtumerkennung, Konfliktlösung und kognitive Flexibilität. Erwachsene Mäuse, die während der Schwangerschaft Phthalat ausesetzt waren, zeigten tatsächlich Defizite in diesen Funktionen.

Rückgang der Bildungsqualität

Erstmals deutlicher Rückgang der Bildungsqualität in fast allen Bundesländern. So betitelt bildungsklick einen Beitrag zu den Ergebnissen des INSM-Bildungsmonitor 2018. "Vor allem in den Handlungsfeldern Schulqualität, Integration und Verminderung von Bildungsarmut verschlechterten sich die Ergebnisse deutlich." 
"So schneiden in Deutsch und Mathematik Viertklässler aktuell schlechter ab als in den Vorjahren. Die Schulabbrecherquote ist vor allem aufgrund der Flüchtlingsmigration wieder größer geworden. Unter ausländischen Jugendlichen stieg der Anteil von Abgängern ohne Abschluss von 11,8 Prozent im Jahr 2015 auf 14,2 Prozent im Jahr 2016. Fazit: Die Herausforderungen der Integration erfordern neue und verstärkte Anstrengungen im Bildungsbereich, andernfalls droht ein Rückgang der Teilhabechancen."

Handyverbot in Frankreich, neue Begründung aus USA

Das französische Parlament hat ein Verbot von Handys in Schulen beschlossen, berichtet ZEIT Online. Es verbietet grundsätzlich, Mobiltelefone in allen Vor- und Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I zu benutzen. Es betrifft Kinder und Schüler im Alter von drei bis 15 Jahren. Gymnasien haben die Möglichkeit, ebenfalls ein Handyverbot einzuführen.

Verfechter des neuen Gesetzes argumentierten laut tagesschau unter anderem, die Handynutzung störe die Aufmerksamkeit im Unterricht und das Schulkklima und reduziere die körperliche Betätigung auf den Schulhöfen. Kritiker des Verbots erklärten dagegen, die bisherige Regelung sei ausreichend gewesen. Sie warnten zudem vor "logistischen Problemen und den Kosten" für die Aufbewahrung der Handys. Knapp neun von zehn französischen Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren besitzen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ein Smartphone.
Das dürfte die Debatte in Deutschland befeuern. Wie bestellt passt dazu ein Bericht von Inside High…

Bildung braucht digitale Kompetenz

Unter diesem Titel tragen das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales und der Didacta Verband der Bildungswirtschaft ein gemeinsamens Projekt. Vier Schriften zu diesem Thema können nun bei frühe bildung online kostenlos heruntergeladen werden. Es stehen damit umfangreiche, fundierte Informationen zur Verfügung. Sehr empfehlenswerte Lektüre!

Band 1: Der Einsatz neuer Technologien in der frühen Bildung – Herausforderungen und Perspektiven (Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis und Waltraut Walbiner)Band 2: Die digitale Transformation der Gesellschaft (Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis und Waltraut Walbiner)Band 3: Digitale Technik und interaktive Medien als Ressourcen in frühkindlichen Bildungseinrichtungen (National Association of the Education of Young Children (NAEYC) und Fred Rogers Center)Band 4: Orientierungshilfen für Kinder zum sicheren Umgang mit dem Internet (International Telecommunication Union, ITU)   Hier der Link zum kostenfreien Download: www.didacta-di…

Neuer Leitfaden zur Inklusion in Kitas

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WIFF) bietet einen Leitfaden für Inklusive Kindertageseinrichtungen an. Autoren sind Prof. Dr. Ulrich Heimlich und Prof. Dr. Claudia M. Ueffin. Der Leitfaden ist frei verfügbar unter https://www.nifbe.de/images/nifbe/Fachbeitr%C3%A4ge/2018/WEB_Exp_51_Heimlich_Ueffing.pdf

Zum Thema Inklusion sind bei der WIFF zuletzt erschienen: Band 12: Bildungsteilhabe und Partizizipation, Band 9: Inklusion – Kinder und Familien in Armutslagen, Band 6: Inklusion – Kinder mit Behinderung, Band 5: Inklusion – Kulturelle Heterogenität in Kindertageseinrichtungen, alle verfügbar unter: www.weiterbildungsinitiative.de/publikationen

Ein zusätzliches Kita-Jahr macht durchsetzungsfähiger und gewissenhafter

Bildungsklick berichtet: Gehen Kinder ein Jahr früher in eine Kindertageseinrichtung (Kita) als andere, sind sie im Alter von etwa 15 Jahren kommunikativer, durchsetzungsfähiger und gewissenhafter. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, die als eine der ersten für Deutschland die längerfristigen Auswirkungen eines frühen Kita-Eintritts auf die Persönlichkeitseigenschaften im Jugendalter untersucht. Dafür haben die DIW-BildungsökonomInnen Maximilian Bach, Josefine Koebe und Frauke Peter Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zu mehr als 4.500 NeuntklässlerInnen analysiert, die entweder ab 1997 oder 1998 eine Kita besuchten. 
„Ein zusätzliches Kita-Jahr wirkt sich deutlich auf Persönlichkeitseigenschaften aus, die auch für den späteren Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg entscheidend sind“, sagt Studienautorin Frauke Peter. „Das unterstreicht, wie wichtig es ist, grundsätzlich allen Kindern und ihren Eltern Zugang …

Arme Eltern können keine Seife und kein Waschmittel kaufen

Englische Grundschulkinder kommen ungewaschen und in dreckiger Kleidung in die Schule, wenn ihre Eltern arm sind und keine Seife und Waschmittel kaufen können. Das sind Ergebnisse einer breiten Befragung von Lehrern durch in kind direct, die jetzt in der Zeitung Guardian zusammengefasst wurden. Etwa die Hälfte der Lehrer, die an der Befragung teilgenommen hatten, stellten den Kindern Seife, Shampoo oder Waschmittel unentgeltlich zur Verfügung. Jeder vierte Lehrer hatte schon einmal Zahnbürsten für arme Kinder gekauft. 63% der Kinder kommen mit schmutziger Kleidung und die Hälfte putzt sich nicht die Zähne. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Kinder mit schmutziger Kleidung von anderen Kindern gemieden werden und zunehmend isoliert und unsicher bleiben.

Nun gibt es ja absolute und relative Armut auch in Deutschland. Eine direkte Verbindung zwischen Armut und Hygiene wurde meines Wissens in Deutschland nicht untersucht, aber natürlich kennt man die Auswirkungen…
Was macht gute Lehrer aus? Lieber doch keine Quereinsteiger? Wer studiert denn auf Lehramt? In den meisten Ländern zeigten die Schüler mit Lehramts-Plänen unterdurchschnittliche Leistungen in der Mathematik und bei den Lesefähigkeiten. Auch nicht so gut, oder? Jenseits aller anderer Qualitätskriterien sagte schon Hattie: Der Lernerfolg hängt vom Engagement der Lehrer ab. Lest den SPIEGEL Online Beitrag"Schüler sind nur so gut wie ihre Lehrer".

Digitalisierung ja, aber wie denn jetzt?

5 Millarden Euro will die GroKo in die Digitalisierung investieren. Finde alle gut, vielen reicht´s nicht. Die Lehrer sagen, gut und schön, neue Laptops und Tablets, aber wir sind ja gar nicht dafür ausgebildet. Also wär es schön, wenn die Lehrer aus- und fortgebildet würden. Hardware allein brint´s ja nicht. Nun aber findet eine Studie des Monitor Lehrerbildung: Lehrangebote zum pädagogisch sinnvollen Einsatz von Tablet oder Smartboard sind noch immer kein Muss im Studium. Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind relevante Daten zu dieser ersten Phase der Lehrerbildung übersichtlich dargestellt. Lediglich in fünf Bundesländern ist die Thematik aktuell in staatlichen Prüfungsordnungen berücksichtigt. Dabei könnten die Länder stärker steuern, etwa durch rechtlich verbindliche Regelungen zum methodisch-didaktischen Einsatz digitaler Medien in der Lehrerausbildung. „Der Einsatz digitaler Medien muss …

Digitale Souveränität statt Digitaler Demenz

Einen krasseren Gegensatz kann man sich kaum vorstellen: Wettert Prof. Spitzer (siehe mein letzter Beitrag) noch gegen die Verdummung der Kinder durch die Digitalisierung, so fordert der Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) den kompetenten Umgang mit Medien als unverzichtbare Schlüsselqualifikation oder, wie die Welt titelt die "Durchdigitalisierung von Deutschlands Kindern". Welch ein Wort! Digitale Souveränität ist der bessere Begriff. Er bedeutet,
dass jeder Einzelne befähigt sein soll, digitale Medien selbstbestimmt und unter eigener Kontrolle zu nutzen und sich an die ständig wechselnden Anforderungen in einer digitalisierten Welt anzupassen. 
Der Aktionsrat untersucht den erreichten Stand digitaler Bildung von der Frühen Bildung bis zur Hochschule und der Weiterbildung und spricht Empfehlungen aus, wie das übergreifende Ziel digitaler Souveränität eines jeden Einzelnen zu erreichen ist. Dabei wird deutlich, dass digitale Bildung neb…

Spitzers "Computer und Smartphones machten Kinder dumm" ist auch dumm

Prof. Manfred Spitzers Eloquenz in Vorträgen ist ebenso berühmt wie seine literarische Aktivität. In "Digitale Demenz" mit dem Untertitel "Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen" (2014) warnt er vor Aufmerksamkeitsstörungen und Realitätsverlust, Stress, Depressionen und zunehmende Gewaltbereitschaft als Folge des fortschreitenden Gebrauchs von Medien durch Kinder. Das klingt alles vernünftig, verstärkt unsere subjektive Wahrnehmung und ist populär.

Doch Vorsicht! Nicht alle Argumente und Forschungsergebnisse, die Spitzer zitiert, müssen zwangsläufig auch der Überprüfung standhalten. Spitzer erweist sich da als mit Wissenschaft getarnter Missionar. Zunehmend häufig finden sich Spitzer-kritische und lesenswerte Beiträge. Hier einige davon:
"Krude Theorien, populistisch montiert" (2012) in der Süddeutschen Zeitung"Wir sollten aufhören zu diskutieren, ob Smartphones dumm und depressiv machen" (2016) im Anschluss an die Sendung "H…

"Neuausrichtung der vorschulischen Sprachförderung": oh, wie traurig

Mit zweifelos guter Absicht verkündet  Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne: „Wir möchten den Stellenwert der Bildungsarbeit in Kindertagesstätten in den Blick rücken und Kinder dort fördern, wo sie sich tagtäglich aufhalten: im pädagogischen Alltag der Kindertageseinrichtungen" Na toll. Mit kleien Kindern reden, da, wo sie sind: in der Kita. Daran ist absolut nix neu. Geredet wird schon lange. Mit immer gleichbleibend schlechtem Erfolg unter dem Motto: Wir reden weiter, wie uns alltäglich der Schnabel gewachsen ist. Das reicht auch bei Kindern, die sowieso normal schwätzen lernen. Bei denjenigen, die Probleme in der Sprachentwicklung haben, reicht "normal" reden nachweislich nicht.

Doch das beruhigt Wähler und Erzieherinnen: Wir wollen gar nix neu machen. Seid ganz stille. Wir unterstützen euch im Weiter-So. Minister Tonne: „Ich betone ausdrücklich, dass die Kita-Fachkräfte sich keine Sorgen zu machen brauchen, wir erfinden keine neue Aufgabe!" Da…

Bindungsprobleme

Hinweise für eine Störung der Eltern-Kind-Beziehung sind das Thema einer Veröffentlichung in der Kinderärztlichen Praxis. Die Autorinnen Marina Zulauf Logoz und Erika Imhof Nielsen von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Zürich, und dem Sozialpädiatrischen Zentrum im Kantonsspital Winterthur erläutern die typischen Merkmale einer belasteten Beziehung zwischen Eltern und Kind. Es ist hilfreich, die Familien früh zu überweisen, damit ihnen schnell Hilfe angeboten wird und die Probleme sich nicht festigen. Ihre Zusammenfassung für die Praxis am Ende des Artikels: Störungen der Eltern-Kind-Interaktion sind häufiger, wenn die Eltern an psychischen Erkrankungen leiden.An diese muss gedacht werden bei Elternberichten zu- Verhaltensauffälligkeiten, die sich in der Untersuchungssituation/in anderen Situationen kaum zeigen,- Schwierigkeiten des Kindes, die allein am Kind lägen,- Fehlen von Positivem bzw. bei aggressiven Gefühlen gegenüber dem Kind,- immer neue…

Schul- und Schülervergleich in der 8. Jahrgangsstufe namens VERA 8

VERA 8 ist das einzige Testverfahren, das bundesweit in allen allgemeinen Schulen mit allen Schülerinnen und Schülern der achten Jahrgangsstufe durchgeführt wird. Die Aufgabe der Vergleichsarbeiten liegt in der Unterrichtsentwicklung jeder einzelnen Schule. Die Ergebnisse geben Rückschlüsse über jede Schülerin und jeden Schüler und sollen die Lehrkräfte bei der Förderung unterstützen.

Die Ergebnisse in Baden-Württemberg lassen an den Haupt- und Werkrealschulen und Gemeinschaftsschulen viel Luft nach oben: 43 Prozent der Schüler an den Haupt- und Werkrealschulen erreichen nicht den Mindeststandard im Kompetenzbereich Lesen, bei den Gemeinschaftsschulen sind es 22 Prozent, bei den Realschulen neun Prozent. In Mathematik liegen 45 Prozent der Haupt- und Werkrealschüler unter dem Mindeststandard, 26 Prozent der Schüler an Gemeinschaftsschulen erreichen ebenfalls nicht den Mindeststandard sowie neun Prozent der Realschüler. Die Ergebnisse der Gymnasien hingegen sind auf ein…

Vorschulische Förderung ist billiger für alle als für einzelne

Auf dem Titelfoto sieht man Lillian, fünf Jahre alt, die mit Knetgummi einen Marsmallow geformt hat und jetzt spielt, wie sie ihn über dem Feuer braten könnte. Lillian besucht eine Vorschule in Clinton, Oklahoma. Nur in wenigen Bundesstaaten der USA werden fördernde Vorschulprogramme für alle Kinder angeboten. Da gute Lernerfolge bislang nur für Kinder mit Entwicklungsrückstand und Kinder aus einkommensschwachen Familien nachgewiesen werden konnten, sind kostenfreie Vorschulprogramme nur für diese Kinder vorgesehen. Nun hat eine Wirtschaftwissenschaftlerin, Elisabeth U. Cascio vom Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, Ergebnisse publiziert, die dieses Vorgehen unter anderem Licht erscheinen lassen. Eine Zusammenfassung steht im Hechinger Report.

Wie geht Ganztagsschule in anderen Ländern?

Im Gefolge der JAKO-O Bildungsstudie 2017  präsentiert uns bildungsklick einen Blick über den Tellerrand. Wie geht Ganztagesschule in Kanada, Singapur und Estland? Sehr interessant! Bitte unbedingt den ganzen Artikel lesen. Hier ein paar Auszüge:

Aus dem Abschnitt über Kanada: "Die Schulen sind so konzipiert, dass sie den kulturellen Lebensmittelpunkt im Stadtteil bilden. Dafür wird viel Geld ausgegeben: Kanada investiert 8 Prozent des Bruttosozialprodukts (BIP) in Bildung (zum Vergleich: in Deutschland sind es 3 Prozent). Die Schulen sind entsprechend modern, gut ausgestattet, bieten viel Platz für Bewegung drinnen und draußen und verfügen über viel Personal".

Über Singapur: "In den Klassen sitzen bis zu 40 Schüler, die von einem Lehrer betreut werden. Trotzdem findet nur wenig klassischer Frontalunterricht statt. Stattdessen wird viel in Gruppen gearbeitet. Damit das funktioniert, können bei Bedarf zusätzliche Lehrer aus einem für alle zur Verfügung stehende…

Handschrift lernen in Zeiten der Digitalisierung

Experten diskutierten ausführlich über die Frage, ob Schreiben lernen mit der Hand im digitalen Zeitalter noch angesagt ist, und der Guardian veröffentlicht die wesentlichen Aussagen. Lesenswert. Allerdings ist da eine seltsam selektionnierte Gruppe zusammen gekommen: alle irgendwie pro Handschrift. Kein Wunder, waren die Experten doch eingeladen worden von der "Write Your Future campaign from Berol and Paper Mate". Aber am Ende steht dann die Kompromissformel: "making sure we help children choose the right tool for the task in hand – whether that’s a pen, a laptop, or something else." Also, jeder wie er mag.

Verzehr von Probiotika und Fischöl während der Schwangerschaft beugt kindlichen Allergien vor

Das Risiko für Allergien von Kindern lässt sich durch die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit beeinflussen, berichtet univadis über die Medizinischen Nachrichten.

Die Daten von 19 Studien deuten darauf hin, dass ein Verzehr von Probiotika in Form von Kapseln oder Getränken gegen Ende der Schwangerschaft und während der Stillzeit, das Risiko für Neurodermitis bei den Kindern um 44 Fälle auf 1.000 Kinder verringert. Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren haben damit ein um 20 Prozent geringeres Risiko für Ekzeme.
Sechs weitere Studien zeigten, dass die Kinder von Frauen, die etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche und während der Stillzeit Fischölkapseln einnehmen, deutlich seltener Allergien gegen Hühnereier entwickeln.  Die absolute Risikoreduktion betrug hier 31 Fälle auf 1.000 Kinder. Das bedeutet, dass sich das Risiko für eine Allergie auf Eier für Kinder derselben Altersspanne um etwa 30 Prozent reduziert.

Es gab sich laut d…

Anstrengung oder Stress?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Anstrengung oder Stress? Ist alles "Stress", was unangenehm, vermeidbar oder gar anstrengend ist? Diese Frage stellt sich mir, wenn Spiegel Online die Ergebnisse einer Umfrage publiziert, nach der 43 Prozent der Schüler oft oder sehr oft unter Stress "leiden"- und das wirkt sich offenbar auf die Gesundheit aus. Rund ein Drittel der betroffenen Jungen und Mädchen klage mindestens einmal in der Woche über Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme.

Der Stress nehme mit den Schuljahren zu, heißt es im "Präventionsradar 2017" der DAK-Gesundheit. Mädchen fühlen sich laut der Studie häufiger gestresst als Jungen. Jede zweite Schülerin habe sehr oft oder oft Stress. Bei den Schülern seien es 37 Prozent. Vier von zehn Schülerinnen, die sich häufig gestresst fühlen, hätten mindestens wöchentlich Kopfschmerzen, mehr als ein Drittel schlafe schlecht. 30 Prozent klagten regelmäßig über Rückenschmerzen, ein Viertel ü…

Inklusion mit halber Rolle rückwärts?

Ein Interview mit Heinz-Peter Meidinger, dem Präsident des Lehrerverbands, mit der Welt legt nahe, das Tempo aus dem Inklusionsprozess herauszunehmen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Moratorium bei der Inklusion. Wichtig ist eine Bestandsaufnahme: Was funktioniert, und was funktioniert nicht". Und weiter: "Wenn die Leistungsheterogenität eine gewisse Schwelle überschreitet, dann stellt sie nicht nur das Lehrpersonal vor Herausforderungen – sondern gefährdet mit Sicherheit den Lernfortschritt aller".

In den meisten Bundesländern sei der zweite vor dem ersten Schritt gemacht worden. Das habe dazu geführt, dass vielerorts die Förderschulen geschlossen worden seien. "Man wird dann zu dem Schluss kommen, dass es ohne massive zusätzliche Finanzmittel nicht gehen wird. Im Endeffekt braucht jede Klasse, die Inklusionsschüler hat, eine Zweitlehrkraft", so Meidinger am Ende des Interviews.

In unserem Buch "Inklusion in Krippe und Kita" hatten Anne Gros…

Einäugige Wahrnehmung bei der Suche nach begabten Kindern

In puncto Chancengleichheit liegt Deutschland im OECD Vergleich noch weit zurück. Immerhin schneiden sozial benachteiligte Schüler in Deutschland in der PISA-Studie immer besser ab. Gleiche Chancen auf Bildung haben sie deshalb noch lange nicht: Deutschland liegt unter dem OECD-Durchschnitt. Immer mehr Schüler aus bildungsschwachen Elternhäusern zeigen in der PISA-Studie solide Leistungen. Der Anteil sozial benachteiligter Jugendlicher mit guten Ergebnissen im Test stieg auf 32,2 Prozent. Und interessant im Zuge der aktuell hitzigen Debatte über die Ausstattung der Schulen mit Computern: Faktoren wie der Klassengröße und Computerausstattung misst die Studie geringere Bedeutung bei. Besonders förderlich sind dem Lernerfolg hingegen das Schulklima und die soziale Mischung: Sozial benachteiligte Schüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht mit privilegierten Klassenkameraden. Wenn Lehrer nicht zu häufig wechseln und an der Schule offene und vertrauensvolle Kommunikation herrschen, wir…

Kein Sex ohne KiSS

Kisspeptin heißt ein Eiweiß, das 2001 als Produkt des KiSS1-Gens entdeckt wurde. Zunächst fand man, dass dieses Eiweiß Metastasen bestimmter Krebsarten unterdrücken kann. Später wurde bekannt, dass es auf die Keimdrüsen einwirkt, u.a. bei der Einleitung der Pubertät oder bei der Stimulation des Eisprungs, zumindest bei Versuchstieren. Forscher um die Professoren Julie Bakker von der Universität Lüttich und Ulrich Boehm von der Universität des Saarlandes zeigten  jetzt, dass KiSS seinem Namen alle Ehre macht und eine Schlüsselrolle bei der Anziehung zum anderen Geschlecht spielt. Die sexuelle Motivation wird wohl durch zwei parallele Gehirn-Schaltkreise gesteuert.

Hunderttausend Grundschullehrer gesucht!

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung rechnet mit steigenden Schülerzahlen (bis 2015: 4%, bis 2030: 8%). 26.000 zusätzliche Grundschullehrer werden benötigt, um die steigenden Schülerzahlen zu bewältigen, 19.000 für zusätzliche Ganztagsangebote."An den weiterführenden Schulen sinken die bundesweiten Schülerzahlen zwar zunächst noch einige Jahre. Doch zeitversetzt erreichen die starken Jahrgänge auch die Gymnasien, Gesamt-, Ober- und Regionalschulen. 9 Prozent mehr Schüler als heute werden 2030 in den Klassenräumen der Sekundarstufe I sitzen."

Bildungsvorhaben der GroKo: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Nach dem Ende der Sondierungsgespräche könnte man sich fragen, ob die Ergebnisse verglichen mit dem Ist-Zustand sehr gut, gut, befriedigend oder mangelhaft sind. Hatte die CDU-CSU wirklich konkrete Ziele in dieser Hinsicht? Hat die SPD schon einiges erreicht?

Spiegel online listet auf:
Für Kinder im Grundschulalter versprechen die Parteien einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.Kinderrechte sollen ausdrücklich im Grundgesetz verankert werden.SPD und Union wollen zusätzliche Mittel für die Bildung ausgeben und kündigen eine Investitionsoffensive für Schulen an - mit Schwerpunkten beim Ganztagsausbau, bei der Digitalisierung und bei den beruflichen Schulen.Durch eine Grundgesetzänderung sollen alle Kommunen - nicht nur finanzschwache - von Bildungsgeldern aus Berlin profitieren können.Das Bafög "wird ausgebaut und die Leistungen werden deutlich verbessert", heißt es in der Vereinbarung.Verabredet wurde auch ein Berufsbildungspakt zur Stärkung der dualen Ausbildung. Insbe…

Neue Forschung zu LRS und Dyskalkulie

Wer eine gute Zusammenfassung neuer Forschungsergebnisse zu Lese-Rechtschreib- und Rechenstörung haben möchte, sollte diese Broschüre lesen:
Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten Sie fasst die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranlassten und geförderten Forschungsinitiative „Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“ (ESF) leicht lesbar und übersichtlich zusammen. Unter dem Begriff ESF werden im Wesentlichen Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und Rechenschwäche zusammengefasst.
Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes werden empirisch ausgerichtete Forschungsvorhaben gefördert, die dazu beitragen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die von Störungen im Bereich des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens betroffen sind, eine individuelle, ursachenbezogene Diagnostik und evidenzbasierte Förderung zu ermöglichen. Eine Koordinierungsstelle besteht seit April 2011: an der LMU München (Prof. Gerd Schulte-Körne) und am DIPF in Frankfurt a…

Dyskalkulie: Falsche Gene oder falsche Didaktik?

Dieser Frage geht ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung im August (Entschuldigung, ist schon eine Weile her) nach. Titel: Sind die Gene schuld - oder die Lehrer? Lesenswert wegen der Gegenüberstellung der Argumente.

Meine Ansicht: Eine Rechenstörung ist sicher viel schwieriger zu diagnostizieren als eine Lese-Rechtschreibstörung, da sie viel häufiger als eine kombinierte Lernstörung vorkommt (siehe das Statement von Herrn Lehmann). Aber dass sie immer genetisch bedingt ist, ist sicher genau so falsch, wie die Vermutung, sie gehe immer auf eine falsche Mathe-Didaktik zurück. Und: eine Behinderung wird sie nicht durch die Internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD) sondern durch die Dauer, den Schweregrad und vor allem durch den Leidensdruck eines Kindes und die Beeinträchtigung in Alltagsfertigkeiten.

Was meinen Sie?

15 Prozent der Eltern kümmern sich zu viel, 15 Prozent zu wenig

Unter dem Titel "Warum Bildung ohne Erziehung nicht funktioniert" hat die Süddeutsche Zeitung am 10. September über propellernde Eltern und über unterbesorgte Eltern geschrieben. Das war aber nur ein Teil einer sehr lesenswerten Reihe: Bildungsrecherche, gut 20 verschiedene Analysen, Reportagen, Features, Interviews und Videos sind rund um das Thema Schule erschienen.