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Inklusion mit halber Rolle rückwärts?

Ein Interview mit Heinz-Peter Meidinger, dem Präsident des Lehrerverbands, mit der Welt legt nahe, das Tempo aus dem Inklusionsprozess herauszunehmen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Moratorium bei der Inklusion. Wichtig ist eine Bestandsaufnahme: Was funktioniert, und was funktioniert nicht". Und weiter: "Wenn die Leistungsheterogenität eine gewisse Schwelle überschreitet, dann stellt sie nicht nur das Lehrpersonal vor Herausforderungen – sondern gefährdet mit Sicherheit den Lernfortschritt aller".

In den meisten Bundesländern sei der zweite vor dem ersten Schritt gemacht worden. Das habe dazu geführt, dass vielerorts die Förderschulen geschlossen worden seien. "Man wird dann zu dem Schluss kommen, dass es ohne massive zusätzliche Finanzmittel nicht gehen wird. Im Endeffekt braucht jede Klasse, die Inklusionsschüler hat, eine Zweitlehrkraft", so Meidinger am Ende des Interviews.

In unserem Buch "Inklusion in Krippe und Kita" hatten Anne Groschwald und ich davor gewarnt, Inklusion dafür zu benutzen, unser bewährtes und in allen Nachbarländern geachtetes  Sonderschulwesen ersatzlos abzuschaffen und die über viele Jahrzehnte gewachsene Expertise zu verschrotten.

Was hat der Bund mit seiner bisherigen Milliardenspritze erreicht, die Ganztagsschulen unterstützen sollte? Meidinger: "Richtig ist, dass das Geld damals völlig unterschiedlich verwendet wurde. Einige Länder nutzten die Finanzspritze, um die G8-Einführung abzufedern – und bauten zum Beispiel Mensen und Ganztagsräume an Gymnasien."

Und wie sollte das neue GroKo Bildungsprojekt, laut CDU und SPD ein Leuchtturmprojekt, wirksam werden? Meidinger schlägt vor: "Die oberste Priorität hat die Schulhaussanierung, da haben wir einen skandalösen Investitionsstau. Im Zuge dessen brauchen wir auch endlich einen Qualitätssprung, was die Digitalisierung betrifft, also die flächendeckende Bereitstellung von Breitband, WLAN und der dazugehörigen IT-Ausstattung."

Und nun zurück zur Inklusion. Wie reagiert die Politik auf Meidingers Vorschlag, innezuhalten für ein Moratorium? Laut Spiegel Online lehnen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern den Vorstoß des Deutschen Lehrerverbands klar ab. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hingegen fordert eine Bestandsaufnahme der Inklusion an Schulen. Ein solcher Schritt sei jetzt richtig und wichtig. "Die qualitative Ausstattung und Organisation der Zusammenarbeit zwischen Regelschulen und Förderzentren muss so verbessert werden, dass das Inklusionskonzept allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden kann und Lehrkräfte nicht dauerhaft überfordert werden", sagt Prien.

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