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Inklusion mit halber Rolle rückwärts?

Ein Interview mit Heinz-Peter Meidinger, dem Präsident des Lehrerverbands, mit der Welt legt nahe, das Tempo aus dem Inklusionsprozess herauszunehmen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Moratorium bei der Inklusion. Wichtig ist eine Bestandsaufnahme: Was funktioniert, und was funktioniert nicht". Und weiter: "Wenn die Leistungsheterogenität eine gewisse Schwelle überschreitet, dann stellt sie nicht nur das Lehrpersonal vor Herausforderungen – sondern gefährdet mit Sicherheit den Lernfortschritt aller". In den meisten Bundesländern sei der zweite vor dem ersten Schritt gemacht worden. Das habe dazu geführt, dass vielerorts die Förderschulen geschlossen worden seien. "Man wird dann zu dem Schluss kommen, dass es ohne massive zusätzliche Finanzmittel nicht gehen wird. Im Endeffekt braucht jede Klasse, die Inklusionsschüler hat, eine Zweitlehrkraft", so Meidinger am Ende des Interviews. In unserem Buch " Inklusion in Krippe und Kita " hatten Anne ...

Einäugige Wahrnehmung bei der Suche nach begabten Kindern

In puncto Chancengleichheit liegt Deutschland im OECD Vergleich noch weit zurück. Immerhin schneiden sozial benachteiligte Schüler in Deutschland in der PISA-Studie immer besser ab. Gleiche Chancen auf Bildung haben sie deshalb noch lange nicht: Deutschland liegt unter dem OECD-Durchschnitt. Immer mehr Schüler aus bildungsschwachen Elternhäusern zeigen in der PISA-Studie solide Leistungen. Der Anteil sozial benachteiligter Jugendlicher mit guten Ergebnissen im Test stieg auf 32,2 Prozent. Und interessant im Zuge der aktuell hitzigen Debatte über die Ausstattung der Schulen mit Computern: Faktoren wie der Klassengröße und Computerausstattung misst die Studie geringere Bedeutung bei. Besonders förderlich sind dem Lernerfolg hingegen das Schulklima und die soziale Mischung: Sozial benachteiligte Schüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht mit privilegierten Klassenkameraden. Wenn Lehrer nicht zu häufig wechseln und an der Schule offene und vertrauensvolle Kommunikation herrschen, ...

Kein Sex ohne KiSS

Kisspeptin heißt ein Eiweiß, das 2001 als Produkt des KiSS1-Gens entdeckt wurde. Zunächst fand man, dass dieses Eiweiß Metastasen bestimmter Krebsarten unterdrücken kann. Später wurde bekannt, dass es auf die Keimdrüsen einwirkt, u.a. bei der Einleitung der Pubertät oder bei der Stimulation des Eisprungs, zumindest bei Versuchstieren. Forscher um die Professoren Julie Bakker von der Universität Lüttich und Ulrich Boehm von der Universität des Saarlandes zeigten  jetzt, dass KiSS seinem Namen alle Ehre macht und eine Schlüsselrolle bei der Anziehung zum anderen Geschlecht spielt. Die sexuelle Motivation wird wohl durch zwei parallele Gehirn-Schaltkreise gesteuert.

Hunderttausend Grundschullehrer gesucht!

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung rechnet mit steigenden Schülerzahlen (bis 2015: 4%, bis 2030: 8%). 26.000 zusätzliche Grundschullehrer werden benötigt, um die steigenden Schülerzahlen zu bewältigen, 19.000 für zusätzliche Ganztagsangebote."An den weiterführenden Schulen sinken die bundesweiten Schülerzahlen zwar zunächst noch einige Jahre. Doch zeitversetzt erreichen die starken Jahrgänge auch die Gymnasien, Gesamt-, Ober- und Regionalschulen. 9 Prozent mehr Schüler als heute werden 2030 in den Klassenräumen der Sekundarstufe I sitzen."

Bildungsvorhaben der GroKo: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Nach dem Ende der Sondierungsgespräche könnte man sich fragen, ob die Ergebnisse verglichen mit dem Ist-Zustand sehr gut, gut, befriedigend oder mangelhaft sind. Hatte die CDU-CSU wirklich konkrete Ziele in dieser Hinsicht? Hat die SPD schon einiges erreicht? Spiegel online listet auf: Für Kinder im Grundschulalter versprechen die Parteien einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung . Kinderrechte sollen ausdrücklich im Grundgesetz verankert werden. SPD und Union wollen zusätzliche Mittel für die Bildung ausgeben und kündigen eine Investitionsoffensive für Schulen an - mit Schwerpunkten beim Ganztagsausbau, bei der Digitalisierung und bei den beruflichen Schulen. Durch eine Grundgesetzänderung sollen alle Kommunen - nicht nur finanzschwache - von Bildungsgeldern aus Berlin profitieren können. Das Bafög "wird ausgebaut und die Leistungen werden deutlich verbessert", heißt es in der Vereinbarung. Verabredet wurde auch ein Berufsbildungspakt zur Stärkung d...

Neue Forschung zu LRS und Dyskalkulie

Wer eine gute Zusammenfassung neuer Forschungsergebnisse zu Lese-Rechtschreib- und Rechenstörung haben möchte, sollte diese Broschüre lesen: Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten Sie fasst die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranlassten und geförderten Forschungsinitiative „Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“ (ESF) leicht lesbar und übersichtlich zusammen. Unter dem Begriff ESF werden im Wesentlichen Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und Rechenschwäche zusammengefasst. Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes werden empirisch ausgerichtete Forschungsvorhaben gefördert, die dazu beitragen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die von Störungen im Bereich des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens betroffen sind, eine individuelle, ursachenbezogene Diagnostik und evidenzbasierte Förderung zu ermöglichen. Eine Koordinierungsstelle besteht seit April 2011: an der LMU München (Prof. Gerd Schulte-Körne) und am DIPF in F...

Dyskalkulie: Falsche Gene oder falsche Didaktik?

Dieser Frage geht ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung im August (Entschuldigung, ist schon eine Weile her) nach. Titel: Sind die Gene schuld - oder die Lehrer? Lesenswert wegen der Gegenüberstellung der Argumente. Meine Ansicht: Eine Rechenstörung ist sicher viel schwieriger zu diagnostizieren als eine Lese-Rechtschreibstörung, da sie viel häufiger als eine kombinierte Lernstörung vorkommt (siehe das Statement von Herrn Lehmann). Aber dass sie immer genetisch bedingt ist, ist sicher genau so falsch, wie die Vermutung, sie gehe immer auf eine falsche Mathe-Didaktik zurück. Und: eine Behinderung wird sie nicht durch die Internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD) sondern durch die Dauer, den Schweregrad und vor allem durch den Leidensdruck eines Kindes und die Beeinträchtigung in Alltagsfertigkeiten. Was meinen Sie?